Computer Science Graduate Seminar: Entwicklung eines Referenzmodells für Mobilitätsplattformen

 

Tuesday, February 05, 2019, 9:00am

Location: Computer Science Center, Hörn, Room 5053.2 (B-IT Research School opposite AH 6)

Speaker: Mr Dipl.-Inform. Christoph Terwelp (i5)

Abstract:

Mobilität ermöglicht dem Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Der steigende Mobilitätsbedarf, die Endlichkeit der verfügbaren Ressourcen und die aktuellen Umwelteinflüsse der Mobilität machen einen Mobilitätswandel weg vom fossil angetriebenen Individualverkehr unvermeidlich.

Ein vollständiger Ersatz des Individualverkehrs durch öffentliche Personenverkehre würde jedoch zu einer erheblichen Einschränkung der Mobilität führen. Hingegen ist eine Kombination verschiedener Mobilitätsangebote (z. B. ÖPNV, Car-Sharing, Fernbusse) zum Erhalt der Flexibilität in der Mobilität vielversprechend. Sie führt aber zugleich zu einer erhöhten Komplexität bei der Nutzung, da Angebote unterschiedlicher Mobilitätsanbieter verglichen und sowohl preislich als auch in Wegfindung und Reisebegleitung kombiniert werden müssen. Mobilitätsplattformen sollen die Mobilitätsangebote in einem Informationssystem zusammenführen und dem Nutzer Funktionalitäten zur Auskunft, Buchung, Autorisierung, Reisebegleitung, Abrechnung sowie zum Kundendienst über einen Zugangspunkt bereitstellen, beispielsweise eine Applikation für mobile Endgeräte. Die bisherigen Ansätze für solche Mobilitätsplattformen sind jedoch höchst unterschiedlich, was ihre Interoperabilität fachlich, software- und datentechnisch, aber auch in den Geschäftsmodellen stark erschwert.

Der Umgang mit dieser extremen Heterogenität kann durch ein Referenzmodell für Mobilitätsplattformen entscheidend erleichtert werden. Als erstes umfangreiches Experiment wurde dabei zunächst eine modellgestützte Plattform konzipiert und für die Region Aachen prototypisch umgesetzt, welche Auskunft, Buchung, Autorisierung und Abrechnung für Mobilitätsdienstleistungen erstmals integrativ unterstützt. Diese Plattform ist in Aachen mittlerweile in den Routineeinsatz übergegangen. Im Vergleich der gewonnenen Erfahrungen mit denen von fachlich meist eingegrenzteren, aber teils viel umfangreicheren Plattformen anderer Regionen und bundesweiten Anbietern wurde jedoch festgestellt, dass mehrere Verbesserungen an dem zugrundeliegenden Modell sowie Erweiterungen um externe Empirie erst eine Übertragbarkeit auf andere Regionen oder andere Geschäftsmodelle erlauben würden. Aus dieser integrativen Anforderungsanalyse wurde in einem iterativen Prozess, unter Einbindung zahlreicher Anwendungspartner, ein Referenzmodell für Mobilitätsplattformen entwickelt, das es erlaubt für unterschiedliche Kooperationsszenarien zwischen Plattform- und Mobilitätsanbieter und somit für unterschiedliche Geschäftsmodelle angepasste Systemarchitekturen zu erzeugen, in denen einheitliche Komponenten und Schnittstellen verwendet werden. Hierfür wurde auch eine neue Entwicklungsmethodik erarbeitet, die Elemente verschiedener aus der Literatur bekannter agentenorientierter Entwicklungsmethoden vereint.

 

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