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Die Geschichte der Informatik an der RWTH Aachen

Die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät

Unter den Fakultäten unserer Hochschule nimmt die Mathematisch-Naturwissenschaftliche schon durch die Anzahl ihrer Professuren eine Sonderstellung ein. Sie ist mit ca. ein Viertel aller Professuren der RWTH die weitaus größte Fakultät. Selbst einige ihrer 6 Disziplinen erreichen bei diesem Vergleich die Größe mancher anderen Fakultät. Dies gilt auch für die Informatik mit ihren 26 Professuren. Zunächst aber sollen hier ihre gemeinsamen Entwicklungslinien skizziert und die characteristischen Eigenschaften der Fakultätsstruktur aufgezeigt werden.

Die Entstehung der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät

Als 1965 aus der damaligen Fakultät für Allgemeine Wissenschaften die Abteilung für Wirtschafts- und Kulturwissenschaften ausgegliedert wurde, bildeten die 2 verbleibenden Abteilungen für Mathematik und Physik sowie für Chemie und Biologie die Mathematisch-Naturwissenschaftliech Fakultät. Dies entsprach auch dem Bestreben ihrer Fächer, neben der propädeutischen Funktion für die Ingenieurausbildung ein höheres Maß an wissenschaftlicher Eigenständigkeit zu erlangen. So wurde wenig später der Diplomstudiengang Biologie und damit die in den klassischen Fächern Mathematik, Physik und Chemie bereits bestehende Diplomausbildung ergänzt.

1970 standen der Fakultät für diese Fächer und das im Servicebereich tätige Fach Mechanik 55 Professuren zur Verfügung. Ein Vergleich mit der heutigen Situation zeigt, dass sich die Zahl der Professuren nahezu verdoppelt hat. Dennoch konnte diese Expansion nicht mit dem Anwachsen der Zahl der Studierenden Schritt halten; an der RWTH wuchs die Zahl der Studierenden im gleichen Zeitraum von 13.000 auf 37.000 und hat sich damit fast verdreifacht.

Die Entstehung des Diplomstudiengangs Informatik

Eine weitere Veränderung ergab sich aus dem Auftreten des neuen Fachs Informatik, welches in den sechziger Jahren begonnen hatte, sich unter dem Einfluß immer leistungsfähiger Digitalrechner als Wissenschaft der Informationsverarbeitung zu etablieren. Daraufhin hatten Bund und Länder beschlossen, an einer Reihe deutscher Universitäten einen entsprechenden Diplomstudiengang einzurichten. Wegen der Engen Beziehung der Informatik zu Mathematik und Elektotechnik kamen dafür an unserer Hochschule zwei Faklutäten in Frage: naben der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen auch die Fakultät für Elektrotechnik. Nach längerer Diskussion wurde schliesslich aufgrund der stärkeren Orientierung der geplanten Informatikausbildung am Diplomstudiengang Mathematik der Diplomstudiengang Informatik 1972 in der mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät eingerichtet.

Von der Fakultät zum Fachbereich

In den achtziger Jahren kam es infolge eines neuen Hochschulgesetzes erneut zu Strukturdiskussionen. Die Fakultäten sollten aufgelöst und durch kleinere Fachbereiche ersetzt werden. Natürlich stellte sich gerade für unsere Fakultät die Frage nach der künftigen Zugehörigkeit ihrer inzwischen recht groß gewordenen Fächer mit immerhin 5 Diplomstudiengängen. Dennoch gab es klare Voten für den Verbleib in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Als wesentliche Gründe für das weitere Zusammengehen sind neben den vielfältigen Beziehungen zwischen den mathematisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen und der Verwandtschaft ihrer Diplomstudiengänge vor allem die gemeinsamen Aufgaben in der Ingenieurausbildung zu nennen. Damit wurde auch der Anspruch unserer Fakultät auf Zuständigkeit für diese Servicefunktion bekräftigt, wie er sich aus dem universitären Prinzip der Ausbildung durch Wissenschaft ergibt.

Einen anderen Weg beschritt lediglich die Mechanik. Sie bildete mit 5 Professuren ohnehin das kleinste Fach unserer Fakultät und unterschied sich von den übrigen Fächern ferner durch das Fehlen eines eigenen Diplomstudiengangs. 1988 erfolgte eine Trennung: 3 Professuren wechselten, ihren Lehraufgaben und Forschungsschwerpunkten entsprechend, in die Fakultät für Maschinenwesen, so dass nur noch 2 Mechanikprofessuren in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät verblieben.

Die Gründung der Fachgruppe Informatik

Wenn auch im neuen Fachbereich 1 die Struktur der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät im wesentlichen erhalten blieb, so erzwangen die hochschulgesetzlichen Vorgaben doch Änderungen in der akademischen Selbstverwaltung. An die Stelle der beiden 1986 aufgelösten Fachabteilungen traten die 4 Fachgruppen Mathematik, Physik, Chemie und Biologie als organisatorische Einheiten des Fachbereichs. Auch das zunächst noch innerhalb der Fachgruppe Mathematik angesiedelte Fach Informatik gründete infolge seines an den technischen Anwendungen orientierten Aufbaus noch im gleichen Jahr eine eigene Fachgruppe. Die Interessenvertretung dieser 5 Fachgruppen im Fachbereichsrat erwies sich allerdings wegen seiner geringen Mitgliederzahl als nicht ganz unproblematisch.

Lehramtsausbildung

Ein weiteres Aufgabenfeld unserer Fakultät stellt die Lehramtsausbildung in den Fächern Mathematik, Physik, Chemie und Biologie dar. Die in den siebziger Jahren gesetzlich verankerte universitäre Ausbildung aller Lehrer hatte den fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Aspekten größeres Gewicht verliehen. 1980 wurde die pädagogische Hochschule aufgelöst und als Pädagogische Fakultät in die RWTH Aachen übernommen. Ihr Schiksal währte jedoch nur ein Jahrzehnt, da im Zuge von Sparmaßnahmen die Studiengänge der Primarstufe und der Sekundarstufe I aufgegeben werden mussten. Für die verbleibenden Studiengänge der Sekundarstufe II waren nun die fachlich zuständigen Fakultäten verantwortlich. Der Vorschlag der Pädagogischen Fakultät, dass auch ihre Professuren von den entsprechenden Fächern der übrigen Fakultäten übernommen werden sollten, stieß in unserer Fakultät zunächst auf Widerstände. Schließlich kam es zur Übernahme einiger Professuren, während in anderen Fällen auch ein Wechsel der Hochschule notwendig wurde. Heute sind in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät für das Lehramt der Sekundarstufe II etwa 350 Studierende eingeschrieben, davon jeweils mehr als 100 in den Fächern Mathematik und Biologie und etwa halb so viele in Physik und Chemie.

Interdisziplinarität

Diese vielfältige Lehrtätigkeit in Diplom- und Lehramtsstudiengängen wie auch im Servicebereich ist eng verknüpft mit dem breiten Spektrum an Forschungsaktivitäten, wie die folgenden Berichte der einzelnen Fächer zeigen. Viele Forschungsschwerpunkte unserer Fakultät haben sich unter dem Einfluss der technischen Anwendungen entwickelt und haben dadurch zu einer für die RWTH typischen Integration von Mathematik und Naturwissenschaften mit den Ingenieurwissenschaften und der Medizin geführt. So bestehen zahlreiche Kooperationen in Sonderforschungsbereichen, Foren und Graduiertenkollegs. Auch mit der neuen Professur für technisch-wissenschaftliches Hochleistungsrechnen wird diese interaktive Verflechtung fortgesetzt.

Insgesamt gesehen hat sich die Struktur der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät in den letzen 25 Jahren als recht stabil erwiesen. Ihre Bedeutung für die RWTH beruht auf einem wissenschaftlichen Profil, welches durch Interdisziplinarität in besonderer Weise geprägt ist.